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www.laut.at
"Future Noir"! Was für ein Albumtitel! Glückwunsch Frau Elias. Das klingt einerseits doch ganz nach punkiger "No Future"-Attitüde und hat andererseits einen französisch poetischen Anstrich, der prima zur verführerischen Femme Fatale passt, als die sich Hanin Elias auf dem Cover inszeniert.
Mit ihrem zweiten Soloalbum nach der Auflösung der Electro-Punk- Band Atari Teenage Riot beschreitet Hanin Elias den auf ihrer Platte "No Games No Fun" vorgezeichneten Weg konsequent weiter. Die ganz harten Zeiten sind vorbei, statt dessen gibt das einstige Riotgirl ihrer Liebe für Melodien nach und erinnert dabei mehr als einmal an Christa Päffgen, die prototypische Femme Fatale des Pop, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Nico.
Dem Konzept der Femme Fatale huldigt Hanin Elias auf "Future Noir"
nicht nur optisch. Auch die 13 Songs des Albums gehorchen der Logik von Lust, Verführung und Verderben. Wie könnte es auch anders sein, wenn sich die Zukunft als finsteres Konstrukt auf der Zeitachse abzeichnet. Ein gewisses Maß an Vorsicht scheint also angebracht, will man mit Hanin Elias in die Zukunft blicken.
Den Weg dorthin versüßen zunächst von sanfter Melancholie durchtränkte Songs wie der liebliche Titelsong "Future Noir". Schlichte Elektronik-Arrangements, die den Geist waviger Tristesse atmen, bekommen akustische Klangkörper wie Gitarre oder Piano an die Seite gestellt und geben so den idealen Nährboden für Elias melodieverliebte und emotionsgeladene Vocalperformance. Die nuancenreichen Zwischentöne geben dem Album "Future Noir" seine Kraft. Vorbei die Tage des wütenden Geschreis.
Feminine Verführungskraft, unnahbare Dominanz und apokalytische Resignation sind die bevorzugten Spielwiesen, auf denen Hanin Elias ihren Zuhörern begegnet. In diesem Dreiklang spiegelt sich auch ein Teil der Dramatik von "Future Noir" wieder. Von der zarten Annäherung an das Ohr der Zuhörer zu Beginn über wütende Attacken im Mittelteil bis zu einer gelassenen Schicksalsergebenheit am Ende reicht die Palette der Gefühlsregister, die Hanin Elias souverän zieht.
Im Angesicht einer derart facettenreich und beseelt agierenden Hanin Elias verkommt das Gastspiel von Sonic Youth Gitarrist Thurston Moore zur beinahe unbedeutenden Randnotiz.
Sonic Seducer
Für Hanin Elias und Fatal-Recordings sieht die Zukunft alles andere als schwarz aus: Fernab von Geschlechter- und Krachzwängen operiert das Label der Berlinerin seit geraumer Zeit äußerst umtriebig und hat mit Tara DeLong, Kunst und The Vanishing auch schon einige vielversprechende Acts an Land gezogen. Auf dem Cover ihres neuen Albums präsentiert sich Elias als eine Art Grande Dame des elektronischen Noise, wenn dieser Begriff auch spätestens auf "Future Noir" eigentlich ein viel zu eng gefasster ist. "No Games No Fun" deutete 2003 ja schon an, dass es hier um mehr geht als um grelles Geballer aus allen Rohren und dass die Grenzen zu Electro-Pop, Punk und Industrial offen, wenn nicht fließend sind. Sogar der legendäre J Mascis von Dinosaur Jr. gab sich einst die Ehre einer Kooperation, und nun gastiert Sonic Youths Thurston Moore himself auf dem Stück "In My Room" am Ende des Albums. Bis dahin hat man aber bereits einen feinen Zehnerpack rhythmisch-bassige Elektronik hinter sich, der vor allem durch beeindruckende Selbstbeschränkung aufhorchen lässt. Songs wie "Untouchable", "After All" oder "City Lights" kommen nicht mit dem Holzhammer, sondern schleichen sich verführerisch und eindringlich ins Lustzentrum des Hörers, die Bass-Synthies strahlen eine ungeahnte Wärme aus, und Hanin Elias' Stimme verbreitet eine Sinnlichkeit, die ihr neues Material zu einer ungemein sexy Kiste macht. "Future Noir" ist ihr bisher stilvollstes Album und macht endgültig klar, dass für den Krach bei Fatal mittlerweile andere zuständig sind. Und wer J Mascis mal in einer Küche klampfen sehen möchte, kann das beim Bonus-Video zu "No Games No Fun" tun. Doch nicht nur deswegen macht "Future Noir" großen Spaß.
Thomas Pilgrim
DNA Six
Nicht nur der vernunftbegabte Homo sapiens scheint trüben Gedankens in die Zukunft zu schauen, auch Hanin Elias visualisiert auf 'Future Noir' Zukunftsvisionen, die mit dem verkrampften Positivdenken unserer Oberen nichts gemein haben. Nur eines ist an dieser Scheibe weder traurig noch apokalyptisch anmutend - die Musik. Nach dem eher sperrigen Vorgänger 'No Games No Fun' begab sich Hanin mit Produzent und Songwriter TweakerRay ins Studio, um zu zeigen, dass auch synthetische Songs eine Seele besitzen können. Das Wesen der Tracks bestimmen der wütende, zugleich verletzliche Gesang Hanins und die wavige Atmosphäre des Albums, welche sich wider Erwarten sehr gut mit intensivem Dance und verzerrtem Geboller verträgt, ohne die ruhigen Lieder zum Störfaktor zu degradieren. 'Future Noir' besticht durch ein atemberaubendes Niveau, und nur eine freut diese Rückkehr zu alter Stärke noch mehr als den Hörer - die Bassbox. (10 von 10)
Lars Schubert
Dorfdisco
This CD comes enhanced with a video for "No Games No Fun" featuring the exquisite trademark guitar doodlings of Dinosaur Jr.'s J. Mascis and a knife-wielding Elias in the studio. It starts off as a dreamy slow alt-rock ballad and subsequently explodes into a full-blown punk assault, then ends abruptly. Singing to screaming. For me, it is the highlight of this CD, although the rest of it is worth repeated listenings. To be honest, I was expecting more of an angry, noisy assault on the senses. But Future Noir is actually quite subdued, which says much for Elias's versatility as a singer, songwriter, and musician. Precious melodies elicit a profound melancholy feeling consisting of intellectual despair, wanting, and loneliness. These emotions are perhaps best inscribed on the title track, which - with its fascinating lyrics and dark electro poppiness - manages to avoid many of the clichés that Elias's peers in the field of electronic seem stuck in. Her vocal delivery alternates between smooth and breathy, always remaining seductive, sharp, and perfectly in-tune with the emotional richness of the music. Instead of relying on the by-now formulaic '80s revivalism of electroclash, Elias seems to cull much of her material from what may be vaguely referred to as '90s alternative rock, updating the best forgotten moments of that era to the post-millennial digital revolution. Thoughtful and imaginative while remaining true in its devotion to the underlying concept, Future Noir is a rich, layered album that leaves the listener with much to discover. Explore in liberal, frequent doses to get the full effect.
May 2004 Travis Jeppesen
Berlin030
Atari Teenage Riot, die nach den Einstürzenden Neubauten international erfolgreichste Band
aus Berlin überhaupt, sind nicht mehr und werden auch nie wieder sein. Folgerichtig hat sich
Hanin Elias nun weitestgehend vom ATR-typischen Digital Hardcore emanzipiert.
”Future Noir” ist ein echtes Rockalbum geworden, auf dem Hanin Elias nicht mehr kreischt,
sondern ausschließlich singt, und das ziemlich gut. Irgendwie hat das Album etwas Sakrales an
sich, es klingt trotz all der Power leicht regennass und ständig hat man das Gefühl, dass es
gleich ein Duett mit Nick Cave zu hören gibt. Das bleibt jedoch aus. Macht aber nichts,
manches sollte man sich ja auch für später aufheben.
http://www.berlin030.de
Smash Mag
Während andere verharren, stagnieren und keinerlei Weiterentwicklung in ihrer musikalischen
Entwicklung erleben, gibt es wiederum andere Zeitgenossen, die stetig in Bewegung sind.
Hanin Elias beweist mit ihrer neuen Veröffentlichung, dass sie dies auf bemerkenswerte Art
und Weise schafft. Schon auf 'No Games No Fun' war ganz klar festzumachen, dass sich Hanin in
eine Richtung entwickelt, die sich von dem Pfad unterscheidet, welchen sie zuvor mit 'Atari Teenage Riot' zuvor beschritt.
Hier ist ein düsteres, melodiöses und schaurig-schönes Stück Musik geschaffen worden.
Letztendlich bleiben wir und die Musik allein. Dein Blick ist auf die Box gerichtet und die
Töne, Beats und Melodien perlen Dir entgegen, wie das Wasser eines kleinen Bächleins, dass
sich durch eine traurig-vernebelte Winterlandschaft schlängelt. Hanin birgt neben, der Energie
und Wut vergangener Tage auch eine sentimentale und melancholische Seite.
Sie singt, redet, rappt und schreit alles raus und immer verbunden mit dem richtigen Ton am
richtigen Platz. Vielleicht stimmt es auch, was man sagt, wenn man älter wird sucht man sich
andere Wege für seine Musik. Schon die Eröffnung 'Untouchable' scheint dies verdeutlichen zu
wollen. Vorsichtig und zerbrechlich tastet sich Hanin vor um uns mit Wave-Beats und klassischen
Klavierelementen auf ihre Metamorphose vorzubereiten. Eingängiger und Popiger klang sie wohl
nie zuvor. Dies steht ihr ausgesprochen gut zu Gesicht, was man wohl von so einem Energiebündel
nicht erwartet hätte, tritt ein... Der Weg ebnet sich für ein breiteres Publikum.
Und dies geschieht alles ohne jedwede Anbiederungsversuche. Man hat wirklich an jeder Stelle
das Gefühl, das dies eine runde Platte ist, die gut als Begleitmelodie zu diversen
Science-Fiction-Endzeit-Movies dienen könnte. Das beklemmende Gefühl lässt sich gerade bei 'Future Noir' sehr anschaulich verdeudlichen.
Klingt es doch schon dort:'...Survival of the fittest'. 'We live for the money'.
Hanin ist und bleibt ihrer politischen Gesinnung treu und hält der Gesellschaft den Spiegel
ihrer selbst vor. Und auch diesmal beweist Frau Elias einmal mehr, dass sie wohl mit zu den
innovativsten Köpfen dieses Staates zählt. Schon allein bei 'In My Room', bei welchem sie sich
Thurston Moore (Sonic Youth) ins Boot holte.
Großes Hörspiel, für Leute, die von Musik mehr erwarten, als sanfte Berieselung ohne Hirn!
(DR)
http://www.smash-mag.com
Zillo
Atari Teenage Riot als Referenz aufweisen zu können, ist sicher nicht das Schlechteste.
Auch wenn deren Zeit schon lange vorbei ist. So darf sich die neue Solo-Scheibe 'Future Noir'
des Gründungsmitglieds Hanin Elias zusätzlichen Interesses erfreuen.
Zusammen mit Produzent und Songwriter TweakerRay gelang es der ungewöhnlichen Sängerin,
zu deren Vorlieben Siouxie Sioux. PJ Harvey und Diamanda Calas gehören, ihre ganz eigene
Version von zeitgemäßen Alternative-Pop-Songs zu verwirklichen. Immer etwas schräg, bisweilen
rhythmisch akzentuiert (z.B. Titelsong 'Future Noir'), manchmal jedoch auch tröge und aufgesetzt
lustlos (
Jedes Mal, wenn man sich auf einen bestimmten Refrain oder gesanglichen Effekt eingelassen hat,
wird man erneut überrascht. So abwechslungsreich und kurzweilig diese Mixtur ist,
manchmal wäre eine klare Fokussierung und der Mut, einen einfachen Song zu verfassen,
nicht schlecht. Schlussendlich erinnern sowohl einige Sounds als auch der spürbare
Independentgedanke an manche Wave-Scheiben der 80er.
PH
Zillo Juni 2004
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